Band Photos
internnewsthebandthemusicontourextrascommunity
18 User online
tourdates
tickets
stats

| ontour | tourdates |

Salzburg, Frequency Festival, 18.08.2005 (Quelle: diepresse.com)

Schlafmittel für ihre Generation

VON HOLGER FLEISCHMANN (Die Presse) 20.08.2005

Frequency-Festival am Salzburgring: "Weezer" und "The Others" ließen "Oasis" alt und müde aussehen.

Es dauerte bis zum allerletzten Song, bis Liam Gallagher seine Hüften zu mindest ansatzweise kreisen ließ, bis seine Mitmusiker aus einer Lethargie erwachten, die sie wie Zinnsoldaten erscheinen ließ. Und bis am Festivalgelände eine Art Begeisterungssturm ausbrach. Bezeichnenderweise stammte die dafür verantwortliche Nummer nicht von Gallaghers Band Oasis, sondern von The Who: "My Generation", gnadenlos glatt gebügelt, aller Schärfe beraubt. Signalisierte das berühmte Stottern Roger Daltreys einst die Unfähigkeit, sich auszudrücken, geriet es bei Gallagher bloß zur lästigen Pflicht. Wie weite Teile des Konzerts.

Die längste Zeit stand Liam Gallagher einfach nur da, regungslos, ohne eine Miene zu verziehen. Eine Hand in der Tasche, mit starrem Blick ins Publikum. Als würde er darauf warten, umjubelt zu werden - was nur selten geschah. Nein, als Coolness ging das nicht durch. Es war eher Ausdruck einer Realitäts-Verweigerung, des Nicht-Wahrhaben-Wollens: der Tatsache, dass der Stern von Oasis längst am Erlöschen ist. Insofern passt der Titel ihres aktuellen Albums: "Don't Believe The Truth".

Die Wahrheit ist, das wurde am Salzburgring klar: Selbst ihre Hits aus der Britpop-Hochblüte der mittleren Neunziger sind keine großen Songs, aber immerhin veritable Vehikel eines Gemeinschaftsgefühls, nicht unähnlich dem der Schlachtgesänge bei Fußballspielen. So wurde das maßlos kitschige, recht bleiern gespielte "Wonderwall" von Tausenden mitgebrüllt, als ginge es, die gewonnene Meisterschaft zu feiern. Den neuen Songs fehlt selbst das: Die Eröffnungsnummer "Turn Up The Sun" dröhnte schwerfällig und ohne erkennbaren Höhepunkt, das auf Platte nach Dylan und Velvet Underground klingende "Mucky Fingers" kam live völlig blutleer. "Lyla", die erste Single zum neuen Album, punktete wenigstens mit einem ansatzweise vorhandenen Mitgröhlfaktor, war aber letztlich genauso langatmig und träge wie der große Rest.

Als Liams großer Bruder Noel Gallagher mit "Don't Look Back in Anger" den einzig überzeugenden Song anstimmte, wurde im Publikum längst gegähnt und getratscht. Getratscht, um sich wach zu halten. Denn wenn Oasis an diesem Abend überhaupt funktionierten, dann als Schlafmittel. Mehr gab ihr Dienst nach Vorschrift nicht her, höchstens ein bisschen Britpop-Nostalgie. Keine Emotionen, kein Feuer, nicht einmal ein Funke: Oasis wirkten, als würden sie die Tage bis zum Ruhestand bereits zählen. Nach knapp 80 Minuten, ohne Zugaben, war das Trauerspiel vorbei. Kaum zu glauben, dass diese Band einst als führende Kraft des Inselpops gehandelt wurde.

Die jungen Briten The Others, wie Oasis stolz auf ihre Working Class-Wurzeln, werden das nie sein. Und haben es offensichtlich auch nicht vor. Ihre einfache, aber ungemein effiziente Musik lebt im besten Sinn für den Moment: Was zählt, sind schreiende Gitarren und ein gnadenlos durchgeschlagener Rhythmus, nicht was morgen kommt. Rau und ungestüm, welche Erfrischung im Vergleich zum Bombast der Gallaghers! Nur Sänger Dominic Masters nervte: "We always turn up for gigs", trotz aller Drogen, wiederholte er penetrant. (Hintergrund: Die britische Band Doves hatte kurzfristig abgesagt). Dennoch: Die Band, deren Bassist wie Robert Smith ohne Ausgeh-Make-Up aussieht, überzeugte bei ihrem Österreich-Debüt, nicht zuletzt dank ihrer Unbekümmertheit.

Tagessieger waren aber eindeutig die ewigen US-Collegeboys Weezer mit ihren Hymnen über und für jugendliche Außenseiter: "Beverly Hills", "Buddy Holly", "Undone (The Sweater Song)", "My Name Is Jonas", "Hash Pipe", allesamt wurden sie vom Publikum euphorisch aufgenommen und gemeinsam mit Sänger Rivers Cuomo in die Nacht gesungen. Dass die Band zuletzt eine Gruppentherapie brauchte, wie sie etwa die Metallica-Dokumentation "Some Kind Of Monster" zeigt, merkte man nicht. Sie spielte enorm druckvoll, mit viel Biss.

Am besten waren Weezer stets dann, wenn sich in ihre eingängigen Popsongs ein Hauch Melancholie einschlich, wenn sie ihre Finger in die Wunden des jungen Lebens legten. Um im nächsten Moment dann doch Optimismus auszustrahlen. Und als Cuomo "Island In The Sun" alleine mit akustischer Gitarre sang, wären sich beinahe Wildfremde um den Hals gefallen. Kurz: Wo Oasis kalt ließen, wussten Weezer zu berühren. Und genau das braucht es bei einem Festival wie diesem.

Salzburg, Frequency Festival, 18.08.2005 (Quelle: diepresse.com)


sadsong.net erfasst Besucherdaten und wertet diese mit Matomo aus.
Falls dies nicht gewünscht ist, klicke bitte hier und setze den Matomo-Deaktivierungs-Cookie.