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Berlin, Columbiahalle, 06.06.2005 (Quelle: tagesspiegel.de)

Euphorie, Baby!

Bau dir ein Haus aus den Knochen der Stones: Oasis in der Berliner Columbiahalle

Von H.P.Daniels

Blaurotes Licht fingert durch die ausverkaufte Columbiahalle. Finger spießen aus der Menge nach oben. Rhythmisch, zu Sprechchören: „OH-EY-SIS, OH-EY-SIS“. Vom Band dröhnt „Fuckin' In The Bushes“. Union Jacks wehen von der Balustrade. Es ist wie im Fußballstadion. Ein Brodeln der Erwartung. Hochspannung. Wie werden sie diesmal spielen? Da kommt die Mannschaft aufs Feld, auf die Bühne, auf der sich Verstärkerberge türmen. Und schon steht die Band in einer geraden Reihe, Ladys and Gentlemen: Oasis!

Die Klangwand steht: „Turn up the sun!“ Und sie drehen den Sound auf, lassen die Sonne scheinen, grell und heiß. Und jagen „Lyla“, die neue Hit-Single, gleich hinterher: „Callin' all the stars to fall and catch the silver sunlight in your hands“. Irrelevanter Lyrikkitsch, Melodie und Klang sind vom „Street Fighting Man“ der Stones geklaut. Aber es klingt gut. Sehr gut. Viel besser noch als auf Platte: kompakter, drängender, aufgeladen mit aggressiver Energie. Maulig umschleicht der dunkelbebrillte Liam Gallagher im zugeknöpften Kapuzen-Mäntelchen das Mikrofon, verschränkt die Arme auf dem Rücken, legt den Kopf zur Seite, singt unbewegt großmäulig von unten nach oben: „Morning Glory“, „Cigarettes & Alcohol“, „Stop Crying Your Heart Out“ und andere Hits aus dem Bandkatalog der letzten zehn Jahre. Und die Fans singen Wort für Wort alles mit. Oasis sind ein merkwürdiges Phänomen. Ihren jüngeren Fans, die in den Neunzigerjahren mit ihrer Musik aufgewachsen sind, gelten sie als größte Band aller Zeiten, als Erneuerer und Stilpräger, als die genialen Erfinder des Brit-Pop.

Ältere Anhänger, die noch vom Mersey-Beat und Rhythm & Blues der Sechzigerjahre geprägt wurden, schätzen Oasis als nette Zitaten-Band, deren Chef Noel Gallagher es immer wieder fertig gebracht hat, aus Teilen von zwei bis drei Beatles-Liedern einen hübschen, neuen Oasis-Song zusammenzubasteln. Der Ex-Beatle George Harrison, vor etlichen Jahren nach seiner Meinung zu Oasis befragt, antwortete: Na ja, ganz nett, aber so richtig toll fände er sie dann eigentlich doch nicht, vor allem der Drummer sei nicht gut.

Umso origineller mutet es an, dass ausgerechnet Zak Starkey, Sohn des Ex-Beatles Ringo Starr, neuerdings bei Oasis trommelt. Und er macht seine Sache vorzüglich, gibt der Band gemeinsam mit dem Bassisten Andy Bell ein solides Fundament, auf das Gem Archer und Noel Gallagher ihre massiven Gitarrenwände bauen können, die auf dem neuen Album „Don't Believe The Truth“ (Sony/BMG) tatsächlich meistens mehr nach den Stones klingen als nach den Beatles. Verzerrt und hart an der Kante rockend. Oder im schwer monoton vorwärts hämmernden Waiting-For-My-Man-Velvet-Underground-Stil von „Mucky Fingers“.

„NO-EL, NO-EL“, skandieren die Fußballchöre, als der schlurrige Liam für ein Päuschen die Bühne verlässt, und sein Bruder Noel höchstpersönlich das beste Stück vom neuen Album singt: „The Importance Of Being Idle“. Mit hübschen Fistelpassagen. Das hymnische „Don't Look Back In Anger“ singt die Fangemeinde ganz alleine. Und zum Schluss, nach anderthalb Stunden, huldigen Noel, Liam und Co. den guten alten Who, von denen sie Starkey gerade erst abgeworben haben. „Things they do look awful cold – hope I'll die before I get old... This is my generation, baby! Mah Gennah-raayyy-shoon!“, kreischt Liam. Häufig totgesagt in der letzten Zeit, sind die Beat-Enkel immer noch lebendig. Und die nächste Generation steht schon im Übungsraum mit umgehängten Gitarren, aufgedrehten Verstärkern und probt: My Generation.

Berlin, Columbiahalle, 06.06.2005 (Quelle: tagesspiegel.de)


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