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München, Zenith, 11.03.2003 (Quelle: Ingolstädter Donaukurier)

Zwischen Genie und Wahnsinn

Oasis werden bei ihrem Konzert in München den Erwartungen nur bedingt gerecht

Könnte man Oasis doch einfach hassen. Für ihre Selbstzufriedenheit, ihren Größenwahn, ihre Arroganz, für "Auftritte" wie im Dezember, als das Konzert kurzerhand abgesagt wurde, weil Liam Gallagher nachts zuvor im Bayrischen Hof die unbeliebsame Bekanntschaft mit einem Eisenpflock gemacht hatte und auf schmerzhafte Weise lernen musste, dass auch die Italiener kein Volk von Traurigkeit sind. Der exzentrische Sänger büste damals zwei Zähne ein, und so trat die Band unverrichteter Dinge dieHeimreise an. Wo die Herren diesmal residierten, wurde geheim gehalten.

Vergessen ist dieser Vorfall gut drei Monate später nicht, als die Briten zum Nachholtermin ins Zenith bitten. "Ich würde mich schämen, wäre ich Fan dieser Gruppe", raunt ein Besucher. Kaum ist der letzte Akkort des Openers "Bring It On Down" verklungen, springt die Hallenbeleuchtung an, die Band verlässt die Bühne, und zwangsläufig kehren die bösen Erinnerungen an das letzte Mal zurück. Auch wenn Oasis diesmal nichts dafür können: Eine Absperrung hatte dem Andrang des Publikums nicht Stand gehalten, und dass damit nicht zu scherzen ist, hat das Unglück von Roskilde, bei dem neun Menschen ihr Leben lassen mussten, auf traurige weise verdeutlicht.

Hassen möchte man sie auch für ihr Nachholkonzert, aber das will nicht gelingen. Obwohl es derzeit kaum eine Band ihren Fans so schwer macht, ihr bedingungslose Liebe entgegenzubringen wie Oasis, und so machen sich auch nach dem Auftritt im Zenith zwiespältige Gefühle breit. Hin- und hergerissen zwischen Bewunderung und Verständnislosigkeit lassen die Briten ihr Publikum zurück. Irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn findet der Gig seinen angemessenen Platz, und man könnte meinen, der Begriff Hassliebe wäre eigens für den Fünfer aus Manchester geprägt worden.

Spontan wollen einem am Ende ein Dutzend Songs einfallen, die gefehlt haben. Die Setlist scheint dem Zufall überlassen, lässt jede Dramaturgie vermissen. Das neue Material wirkt zu oft wie ein Fremdkörper neben Altbekanntem wie "Morning Glory" oder "Champagne Supernova". Titel wie "The Hindu Times", "Little By Little" und "Stop Crying Your Heart Out" haben zwar durchaus ihre Daseinsberechtigung aber für Nummern wie das halbherzige "Betterman" oder das völlig verschenkte (eigentlich wunderschöne) "Songbird" könnte man Liam oder Noel an die Gurgel springen. Aber dann rumpelt auf einmal das Schlagzeug los, das Gitarrenintro von "Supersonic" setzt ein, und jeglicher Anflug von Unzufriedenheit ist für einen Moment wie weggeblasen.

Zwar bieten die fünf Briten durchweg solides Handwerk, aber für eine Band mit einem Songrepertoire, von dem andere Künstler nur träumen können, ist Durchschnitt einfach zu wenig. Das wird spätestens beim frenetisch gefeierten "Don't Look Back In Anger" deutlich. Auf andere "Mitgröl"-Hymnen wie "Live Forever" oder "Wonderwall" hoffen die rund 5000 Besucher vergebens. Und Letzteres nach dem abschließenden furiosen "My Generation" (The Who) vom Band zu spielen ist mehr als peinlich.

Philipp Schmatloch

München, Zenith, 11.03.2003 (Quelle: Ingolstädter Donaukurier)


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