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Düsseldorf, Philipshalle, 09.03.2003 (Quelle: waz.de)

Manchesters ungerührte Rockarbeiter

Oasis in Düsseldorf: Ein großes Konzert für die Fans, eine normale Sonntagsschicht für die Band

WAZ Düsseldorf. Im gleißend weißen Licht stehen sie da, bewegen sich wenig, rocken gewaltig. Ihre Fans singen und springen wie auf den Rängen der Champions League. Oasis waren in Düsseldorf, mit neuen Songs und neuen Zähnen.

Die Brüder Liam und Noel Gallagher tragen auf der Bühne jene Nonchalance zur Schau, die sie im richtigen Leben nicht besitzen. Liam steht beim Singen merkwürdig schräg zum Mikrofon vorgebeugt, die Hände hinterm Rücken verschränkt, so wie das seine Art ist. Sein Bruder Noel steht unbeeindruckt an der Gitarre. In 90 Minuten schafft er es nicht, sein schwarzes, zugeknöpftes Polohemd durchzuschwitzen.

Schwer zu glauben, dass die Oasis-Brüder sonst vor keiner Prügelei zurückschrecken. Doch wir erinnern uns: Das Konzert in der Philipshalle musste auf März verschoben werden. Liam klagte im Dezember über Zahnprobleme nach dem unverhofften Zusammentreffen mit ein paar Italienern in München.

Doch die Zähne sind nun wieder da, die Band auch. Dem für die Philipshalle ungewohnt vollen Sound merkt man an, dass für die Britpopper ein Publikum von 6000 eine Nummer zu klein geraten ist. In England füllen sie Stadien, hier zu Lande spielten sie 1997 - zum Höhepunkt der Oasis-Euphorie - in doppelt so großen Hallen.

Doch für die Fans bedeutet jeder, der nicht da ist, einen besseren Blick zur Bühne. Auf die überlebensgroßen, weißen Buchstaben, die das Wort "Exist" formen. Auf die sechsköpfige Bühnenbesatzung.

Die überspült die Masse mit harten, psychedelischen Gitarrenwellen. Liam singt "Hindu Times" vollkommen ungerührt. Spätestens bei "Supersonic" singen alle mit, ebenso bei "Morning Glory". Und den ersten Moment der Erhabenheit erreichen Oasis bei der Ballade "Stop Crying Your Heart Out", die die 6000 so eint, als gäbe es in diesem Moment nichts Wichtigeres auf der Welt.

Und dann hört man den einen Satz von der Bühne: Als Liam von der Bühne geht, sagt der wortkarge Noel sagt mit Manchester-Akzent: "Er geht zurück in seinen Sarg." Und Noel singt "Little By Little" - bei weitem nicht mit der Stimmgewalt, die sein gehassliebter Bruder an den Tag legt. Noel ist eben nur der brillante Songschreiber, obwohl - auch Liam hat passable Stücke geschrieben, die neue Single "Songbird", die im Gegensatz zu den vielen an den 60er Jahren orientierten Stücken, klingt wie ein Country-Song mit Akustik-Gitarren. Oder "Born On A Different Cloud", bei dem sich Liam das Tamburin auf den Kopf legt - wie ein Heiligenschein.

Drei Zugaben, das war´s. Oasis sind Bühnenarbeiter, die 90 Minuten spielen - keine Minute länger. Der letzte Song: "MyGeneration" von The Who. Schneller und härter als das Original. Doch während die Who oft im Rausch der Musik ihre Instrumente zerkleinerten, bleiben Oasis auch hier kühl. Ihre überschüssige Energie lassen die Brüder woanders.

Autor: Georg Howahl

Düsseldorf, Philipshalle, 09.03.2003 (Quelle: waz.de)


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