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Hamburg, Color Line Arena, 08.03.2003 (Quelle: nwz-online.de)

Des Sängers nagelneue Zähne
Die Skandalrocker von Oasis geben doch noch ein Konzert – allerdings ein ziemlich kurzes


Hamburg. Kein Schild, keine Radiodurchsage, nichts. „Ja, Color Line Arena ist hier richtig“, sagt der erste Parkplatzwächter, ohne sich zu wundern. Der zweite wünscht sogar: „Viel Spaß beim Konzert.“

Und dann steht er da tatsächlich. Den Oberkörper leicht nach rechts gebeugt, die Arme hinter dem Rücken verschränkt, im Mund die nagelneuen Schneidezähne. Das letzte Paar, wir erinnern uns, war Liam Gallagher in einer Münchner Hotelbar abhanden gekommen, was ihn nachhaltig am Singen hinderte. Zweimal sagten Oasis einen Konzerttermin in Bremen ab, den dritten nehmen sie jetzt wahr – allerdings in Hamburg.

Immerhin 6000 Fans halten den Briten die Treue in der gigantischen Color Line Arena, die sich als ein wenig zu groß erweist für die einstmals „größte Band der Welt“. Der Empfang ist höflich, die Band ist es nicht: Liam spricht nicht mit seinem Publikum; kein „Hallo“, kein „Danke“, keine Ansagen. Immerhin singt er.

Diszipliniert arbeiten Oasis ihre Set-Liste ab. Laut geht es zu, selbst der Rausschmeißer-Discjockey macht ordentlich Krach, doch der Klang bleibt glasklar. Gitarrist Noel Gallagher nervt ein wenig mit penetranten Stimmpausen, die recht lang werden, weil ja niemand etwas sagt, aber zu meckern gibt es eigentlich nichts: „Rock’n’Roll Star“, „Morning Glory“, „Don’t Look Back in Anger“, „Little By Little“, Oasis spulen brav ein Best-Of-Programm ab. Nur „Wonderwall“, den größten Hit, gibt es am Ende von der Schallplatte.

Einmal schreit einer: „Ihr langweiligen Spinner“, ein anderer pfeift und buht. Doch Liam schweigt, provozieren lässt er sich nicht mehr, Zähne sind teuer. Kaum einer bewegt sich auf der Bühne, die Musiker geben sich wie gewohnt im Auftreten hart und in der Melodie herzlich. „Beatles in Rolling-Stones-Verkleidung“ hat ein Musikjournalist die Band einst genannt, was sich diese beiden Kapellen nicht gefallen lassen sollten.

Nach einer guten Stunde sagt Liam Gallagher dann doch noch etwas: „Dies ist das letzte Lied für heute.“ Scheinwerfer blenden das Publikum, Rauch steigt auf, und als der sich endlich verzogen hat, ist Liam längst verschwunden. Die Zugaben überlässt er seinem Bruder Noel am Mikrofon.

Als die Autos wegfahren, wundert sich auf dem Parkplatz wieder keiner. Oasis haben schon kürzere und auch schlechtere Konzerte gegeben; die Band ist inzwischen seit gut zehn Jahren im Superstar-Geschäft tätig.

Autor: Karsten Krogmann

Hamburg, Color Line Arena, 08.03.2003 (Quelle: nwz-online.de)


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