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Hamburg, Color Line Arena, 08.03.2003 (Quelle: welt.de)

Früh krümmt sich, was ein böser Bube werden will
Diesmal kamen Oasis wirklich - Mit Songs von der Dachkammer

von Stefan Krulle

Es geschah vor ein paar Jahren in der Sporthalle zu Hamburg. Ein Gitarrist namens Richie Blackmore spielte rechts außen auf der Bühne imposante Soli und drehte sich jedes Mal dem Notausgang entgegen, wenn sein Sänger Ian Gillan den Mund auftat. Anwesende Journalisten machten sich anderntags Sorgen, ob Deep Purple noch eine Band oder doch eher schon Erinnerung waren.

Nun geschah es am 8. März des Jahres 2003, da sich für Pop und Rock'n'Roll sowieso nur noch ein paar haltlose Romantiker zu interessieren schienen, dass ein gewisser Noel Gallagher knappe zehn Meter entfernt von einem gewissen Liam Gallagher auf der Bühne von Hamburgs Color Line Arena stand, und das Ganze, vor allem aber der Abstand zwischen den beiden Brüdern, irgendwie zu nicht viel mehr als einer Posse geworden war.

Dabei spielten Oasis nicht etwa schlechter als in ihren großen Tagen, und wirklich um Längen besser als noch vor wenigen Jahren in der Sporthalle, da Noel der Truppe Adieu gesagt hatte und Liam das einfach nicht wahrhaben wollte. Damals hatte er très chic mit dem Rücken zum Auditorium seine Verse gegrummelt und sich nur umgedreht, um beim Auf-den-Boden-Spucken garantiert gesehen zu werden. Rebellion ist eben auch Sache der Tagesform.

Dies alles geschah nun nicht beim endlich durchgeführten Hamburg-Konzert nach zwei kurzfristigen Absagen im letzten halben Jahr. Ein lautes Nichts namens The Hiss - der vorangestellte bestimmte Artikel vor dem Bandnamen genügt offenbar momentan, um in den Verdacht bemerkenswerter Hipness zu geraten - freute sich, vor jener Gruppe aus Manchester spielen zu dürfen, die vor acht Jahren bei manchen journalis-tischen Begleitern der Britpop-Szene als die beste seit den Beatles galt. Auch wenn die Behauptung bis heute ihrer Beweise entbehrt und folglich auch immer seltener und leiser ausgesprochen wird.

Doch zurück in die mäßig gefüllte Halle. Dort stand nun seit einer halben Stunde und somit exakt zur Halbzeit des Konzerts Liam Gallagher vor seinem Mikrofon und tat das neben dem Singen Einzige, was er kann: Er nahm immer dieselbe, immerhin aber auffällige Pose ein. Wie ein gelangweilter Schlittschuhläufer, der mit den Händen auf dem Rücken in die Kurve geht, krümmt sich der böse Bube der stets um Skandalträchtigkeit bemühten Gruppe Oasis im Licht und singt die Lieder seines Bruders ins Rund. Laute Lieder, schöne Lieder, ein bisschen natürlich auch geklaute Lieder, aber das ist in der dritten Generation Pop wirklich kein Kriterium mehr, das interessiert bestenfalls noch die Chronisten. Wenn die Gallaghers „Supersonic" vom ersten Album inszenieren, singt man mit und denkt nicht nach. Wozu auch? Die besseren Intros klingen wie von Lennon und McCartney, gern auch mal ein bisschen nach T. Rex, die schlechteren halt wie die von Status Quo.

Aufgefallen ist uns trotzdem etwas: Das Bühnen-Repertoire stellt Oasis sich auf dem Speicher zusammen. Nicht bloß „Supersonic" war ein Griff in die Vergangenheit, mehr als die Hälfte der gespielten Songs - so viele waren es ja gar nicht in nur einer guten Stunde - entstammten den Anfangsjahren. Gallagher & Gallagher bestätigen ergo die Annahme einer wachsenden Zahl von Kritikern, das Talent des Noel, der sich weit gehend allein ums Songwriting kümmert bei Oasis, sei eben doch nicht unerschöpflich. Und wer angesichts schwindender Substanz bemüht ist, mit Skandalen und Skandälchen im Gespräch zu bleiben, der erlebt früher oder später eben nichts mehr, worüber Lieder zu schreiben sich lohnte.

Immerhin ist Oasis in der glücklichen Lage, über Fans zu verfügen, die einen Song nicht nur cool, sondern auch wichtig finden wollen. Noch konnte die Band ihren Getreuen einen schönen Abend bieten. Manchmal aber klang es schon so, als werde ihnen das nicht mehr allzu lange glücken. Zu hoch hatte Englands Presse jahrelang den Hype gehängt, der Kampf um Titelseiten hat die Gallaghers zermürbt. Leider kann man das inzwischen hören.

Hamburg, Color Line Arena, 08.03.2003 (Quelle: welt.de)


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