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Stuttgart, Messe B, 28.11.2002 (Quelle: gea.de)

Lustlos mit Stil

Auftakt der Deutschland-Tour von Oasis in Stuttgart

Wenn es nicht Oasis wären, die da auf der Bühne stehen, würden wir die Band wahrscheinlich ziemlich blöd finden. Der Sänger - ein Schnösel in Tarnanzugjacke und mit hässlichem Haarschnitt - quält sich nasal und lustlos durch die Stücke. Der Gitarrist hat zwar die bessere Frisur, sieht im Poloshirt aber auch nicht so aus, wie wir uns einen Rockstar wünschen. Und die Songs, die die Band am Donnerstag zum Auftakt ihrer Deutschlandtournee im Congresscentrum B in Stuttgart spielt, klingen irgendwie alle gleich.

Aber es sind Oasis, die da auf der Bühne stehen. Und nie war Arroganz cooler als bei Liam Gallagher, der nach vorne gebeugt und mit hinter dem Rücken verschränkten Armen am Mikro steht. Nie sahen Poloshirts verwegener aus als bei Noel an der Gitarre. Nie hat eine Band Songs gespielt, die gleichzeitig so lässig und kraftvoll klangen. Und nie haben wir uns so sehr wie am Donnerstagabend gewünscht, ein Teenager-Mädel zu sein. Weil wir die Gallaghers dann kreischend anhimmeln dürften, ohne uns zu schämen. Oder uns mit den anderen um das Tamburin balgen könnten, das Liam ins Publikum entsorgt hat.

Zugegeben: Wenn man eine Band vergöttert, trübt das die Wahrnehmung eines Konzertbesuchs. Es fällt uns schwer, irgendwas über die Bühnendeko zu sagen, uns daran zu erinnern, ob die Lichtshow eher blau- oder rottonig, ob der Sound ausgewogen oder breiig abgemischt war. Das immer noch andauernde Klingeln in den Ohren verrät uns aber, dass es laut war. Und unsere euphorische Stimmung am Tag danach, dass es gut war.

Von »Hello« über »Morning Glory« und »Go Let It Out« bis »The Hindu Times« nuscheln und nölen sich Liam und Co. durchs Oasis-Gesamtwerk - eine herrlich heruntergerotzte Britpop-Hymne folgt der nächsten. Bei »Cigarettes & Alcohol« huldigt Noel sogar brav den Beatles, indem er den »Day Tripper«-Riff in den Song einbaut, während Liam am Bühnenrand steht, auf seinem Kaugummi herumbeißt und gleichgültig die 3 000 Leute im Publikum mustert, die ihn mit »Liam! Liam!«-Rufen anfeuern.

Dass Kollege Oversohl von der Presseagentur dpa meint, Oasis hätten beim Tourneestart enttäuscht, weil sie »geradezu gelangweilt« ihr Programm heruntergespult hätten, irritiert. Würde man Britney Spears vorwerfen, dass sie bei Konzerten tanzt, oder Bruce Springsteen dafür kritisieren, dass er aufgeregt über die Bühne sprintet? Wenn die Gallaghers nicht antriebsarm und arrogant wären, würden wir sie nicht so sehr lieben. Mag sein, dass Liam streitsüchtig ist und sich bei Auftritten keine Mühe gibt. Trotzdem hat er live mehr Präsenz und Charisma als alle seine zig Nachahmer zusammen.

Außerdem ist man als Oasis-Fan schon froh, wenn die Brüder überhaupt gemeinsam auf die Bühne kommen. Kurz vor dem Konzert gab es wieder Zoff zwischen Noel und Liam. In Stuttgart schauen sich die beiden kein einziges Mal an, gehen sich so gut es geht aus dem Weg, bis Liam nach »Live Forever« plötzlich von der Bühne verschwindet. Noel macht mit seinen vier Begleitern allein weiter, singt sich erst etwas wackelig durch »Little By Little«, verdient sich dann aber nach dem Neil-Young-Cover »My My Hey Hey« und »Don't Look Back In Anger« euphorische »Noel! Noel!«-Rufe.

Wider Erwarten taucht Liam kurz vor Schluss noch mal auf. »Ich will dich lieben/Ich will ein besserer Mann sein«, singt er in »Better Man« und schenkt uns noch ein paar Stücke. Dann verschwinden Oasis von der Bühne und lassen fies »Wonderwall« aus der Konserve laufen. Bevor wir merken, dass das Konzert vorbei ist, haben die Gallaghers längst die Halle verlassen. Gunther Reinhardt

Stuttgart, Messe B, 28.11.2002 (Quelle: gea.de)


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