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Berlin, Columbiahalle, 10.02.2002 (Quelle: intro.de)

Oasis in Berlin
Totgesagte leben länger

Mal wieder: Früher war alles besser. In diesem Falle Oasis. Der Glanz der vielleicht größten und definitiv überstrapazierstesten Helden des Britpop ist arg verblasst in den letzten Jahren. Zuviel Hype, zuviel Boulevard, zu wenig überzeugende Musik. Nun steht also ein neues Album ins Haus, und die mittlerweile gut geölte Oasis-Hysterie-Maschine läuft an und beschert uns einen Showcase-Gig, zu dem nur einige 700 geladene Gäste und glückliche Ticketverlosungsgewinner Einlass finden sollen. Die notorisch empfindlichen Gallagher-Brüder und ein Publikum, das zu einem wesentlichen Teil aus Leuten besteht, die nicht da sind um zu sehen, sondern um gesehen zu werden: das kann ja heiter werden. Es kommt indessen anders: das Desinteresse so manches Auserwählten und die Begeisterung wahrer Fans fanden - so erfährt man nebenbei - bei e-bay zueinander, wo Tickets für bis zu 180 € den Besitzer wechselten. Zumindest der Mythos Oasis ist offensichtlich noch nicht tot. Auch wenn es zunächst anders aussieht.

Wie gehabt erscheint die Band zu den Klängen von "Fuckin In The Bushes" auf der Bühne, straft das Publikum mit Nichtachtung, und spielt eher halbherzig und schwerfällig die ersten Songs herunter. Gewinner und solche, deren Taschengeld für einige Monate aufgebraucht sein dürfte, lassen sich jedoch nicht so leicht entmutigen. "Liam, Liam"-Sprechchöre tönen durch den Saal, woraufhin dieser sich offensichtlich wieder entsinnt, dass gelangweilt tun erheblich mehr Spaß macht als gelangweilt sein. Die aggressiv-arrogante Bühnenpräsenz, die in Ermangelung jeglicher Showeinlagen die eigentliche Faszination eines Oasis-Liveauftritts ausmacht, lodert auf, und verleiht der Performance die zunächst vermisste Spannung und Schärfe.

Neben Standards wie "Supersonic", "Morning Glory", "Cigarettes And Alcohol" und Favourites wie dem mehrfach lautstark eingeforderten "She's Electric" werden auch vier der mit Spannung erwarteten neuen Songs eingestreut: "Force Of Nature", bei dem Noel seine ohnehin schon arg grenzwertigen Sangeskünste weiter strapaziert, "The Hindu Times", das - erraten! - mit indisch angehauchtem Gitarrenriff aufwartet, das von Gem Archer geschriebene "Hung In A Bad Place" sowie "Better Man", das aus Liams Feder stammt. Noel, nach erfolgter Publikumshuldigung mittlerweile ebenfalls aufgetaut, kann es sich nicht verkneifen, auf diese Tatsache ausdrücklich hinzuweisen, und den folgenden Applaus als Sarkasmus zu deklarieren, der dem kleinen Bruder auch im Studio entgegengeschlagen sei. Zumindest im Moment scheinen - so mancher mag es bedauern - Bruderzwist und Temperamentsausbrüche unter Kontrolle, denn selbst als Noels Gitarre während des mittlerweile schon traditionellen Closers "I Am The Walrus" ausfällt, und noch mal von vorne begonnen werden muss, nehmen sie es mit Humor, und verwandeln den Song der grossen Vorbilder wie eh und je in ein energiegeladenes Finale, dem nichts hinzuzufügen ist.

Man kommt dennoch nicht umhin festzustellen, dass die neuen Songs sich allzu nahtlos in das Set einfügen, woraus denn auch folgt, dass die eigentlich längst fällige musikalische Weiterentwicklung auf sich warten lässt. Oasis' Musik ist und bleibt nicht mehr als ein lärmender Ausdruck britischer Ladkultur, Sinnsuche zwecklos. Aber muss denn immer alles einen Sinn haben? Es bleibt spannend.

Setlist:
Fuckin In The Bushes
Go Let It Out
Columbia
Morning Glory
Acquiesce
Force Of Nature
Supersonic
Fade Away
Hindu Times
Gas Panic!
Cigs & Alcohol
Hung In A Bad Place
She's Electric
Champagne Supernova
Better Man
Rocknrollstar
Don't Look Back In Anger
I Am The Walrus

Autor: Anna M. Stiefvater

Berlin, Columbiahalle, 10.02.2002 (Quelle: intro.de)


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