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Don't believe the truth (derstandard.at)

Gut geklaut geht auch

Nach unglaublich faden Alben meldet sich eine der wichtigsten britischen Bands der 90er-Jahre mit einem souveränen neuen Werk zurück: Oasis mit "Don't Believe The Truth".

"Don't Believe The Truth", heißt das neue Album der zumindest laut Selbsteinschätzung größten, wichtigsten und geilsten Band der Welt, nämlich Oasis. Diese Antithese zu "Don't Believe The Hype" legt den Gedanken nahe, die Band um die Brüder Noel und Liam Gallagher hätte aus vergangenen Niederlagen gelernt. Es gilt nämlich durchaus als "Wahrheit" - alles ist relativ -, dass die letzten Alben der britischen Band eher nicht so toll waren - höflich formuliert. Ein dadurch ausgelöstes Klammern an den Hype, den die Band im Verein mit den britischen Medien zu entfachen wohl auch noch imstande wäre, würden die Gallaghers ein Album mit in der Badewanne steigen gelassenen Luftbläschen veröffentlichen, scheint nun nicht länger notwendig. Denn Don't Believe The Truth ist ein ziemlich gutes Album geworden: elf Songs, aus denen der grundlegende Fehler der vergangenen Jahre eliminiert wurde.

Vorbei ist die Zeit der wie Kaugummi in die Länge gezogenen Songs, die auf langer, oft sechsminütigen Distanz kläglich scheitern mussten. Immerhin bezogen Oasis ihre Attraktivität aus dem Umstand, dass sie die Qualitäten britischer Sixties-Bands adaptierten. Also prägnante Dreiminüter von gedanklichen Urhebern wie The Who, The Kinks oder den Rolling Stones mit der Melodieseligkeit der Beatles verschmolzen und damit zu Superstars wurden - zumindest in England.

Die Karriere der Band aus Manchester begann in jenem Jahr, als Kurt Cobain die Schrotflinte gegen sich selbst richtete: 1994. Sie beendete eine US-Dominanz, die aufgrund des Überschwappens des Grunge in den Mainstream scheinbar sämtliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte. Mit ihrer Mischung aus erwähnten Sixties-Einflüssen und einer zeitgemäßen Dosis Wahnsinn und Arroganz- das "Madchester-Syndrom! -, gelang dem damaligen Quintett ein kometenhafter Aufstieg. Beginnend mit der Debütsingle Supersonic mündete er in tatsächlich exemplarisch gute Popalben wie Definitely Maybe und (What's The Story) Morning Glory.

Dem folgte Größenwahn und die Bewahrheitung des alten Sinnspruchs, dass Hochmut vor dem Fall kommt. Oasis verkamen zur Lachnummer und fanden sich aufgrund verschiedenster Blödheiten von Sänger Liam öfter in den Klatschspalten als in der Fachpresse wieder - zu der in England der Übergang ja bekanntlich oft ein fließender ist.

Don't Believe The Truth ist nun wieder alte Oasis-Hausmarke. Also erstklassig und geschmackssicher zusammengeklauter Gitarren-Pop. Mucky Fingers ist ein Rip-Off von Waiting For My Man von Velvet Underground: Repetitive Zweiakkord-Gitarre zu Einfinger-Klavier, dazu Liams nölender Gesang und etwas Mundharmonika. Eine Weltnummer, wie das Original. Part Of The Queue verdeutlicht, dass Oasis The Stranglers, insbesondere deren Golden Brown kennen. In The Meaning Of Soul macht man Jumpin' Jack Flash von den Stones aus, und die Beatles sind ohnehin omnipräsent.

Ein das Album mitprägender Sound ist der der amerikanischen Westküste Ende der 60er - The Byrds und was ihnen folgte. Das legt Berechenbarkeit nahe. Immerhin wollte der US-Kontinent bisher noch nie in dem Ausmaß etwas mit Oasis zu tun haben wie umgekehrt. Nun visieren Oasis den US-Markt wieder an. Die dreiviertel Stunde Musik, die sie sich dafür "ausgedacht" haben, scheint dafür prädestiniert. Denn auch zum Klauen braucht man Talent. Dabei nicht erwischt werden macht zwar den wahren Meister aus, aber gerade, dass ihnen das natürlich noch nie gelungen ist, gehört zum Proll-Charme der Hauptdarsteller Noel und Liam. Hype oder Wahrheit - ein gutes Album bleibt ein gutes Album. (Karl Fluch, Der Standard, Rondo 3.6.2006)

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Quelle: derstandard.at



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