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Oasis
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Don't believe the truth (triggerfish.de)

Britpop, Gänsehaut und das ewige Leben

Fast zehn Jahre nach der zweiten popkulturellen Revolution Großbritanniens kehren ihre Protagonisten mit dem sechsten Studioalbum zurück. Nach der Britpop Ära, deren Ende mit der Veröffentlichungswoche von Oasis' hochgradig unterschätztem "Be Here Now" Album begann, formierten sich die Gallagher Brüder neu. Sie taten es wieder und so irgendwie schrieb die "böse" englische Presse Oasis so langsam ab.

Das 2000er "Standing On The Shoulder Of Giants" war nur noch Entziehungskur und Verarbeitung von (Gas) Panic Attacken der Oasis/Kokain Symbiose. Andy Bell (Ex-Ride, Ex-Hurricane#1) und Gem Archer (Ex-Heavy Stereo, Ex-Whirlpool) kamen ins Boot und erweckten diesen neuen Oasis Spirit, der sich auf der aktuellen Scheibe nach dem beachtlichen "Heathen Chemistry" vollends entfaltet hat.

Jetzt also, so will es die Presse, müssen Oasis endgültig beweisen, ob sie den Thron der "fucking best band on earth" behalten dürfen, es sieht gut aus.
Nach den besten Alben der 90er "Definetely Maybe" und "Morning Glory" war es immer schwierig, zumindest an den kommerziellen Erfolg von "Wonderwall" anzuknüpfen.
"Don't Believe The Truth" soll es richten, laut Noel mal wieder das beste Oasis-Album, die Vorab Single "Lyla" stieg zwar auf Platz 1 in den britischen Charts ein und machte sie damit zur erfolgreichsten britischen Band der 90er (sieben Nummer 1 Singles), der Song versprach jedoch nichts großes.
Die Aufnahmen zu Don't Believe The Truth waren ein einziger Krampf. Death In Vegas durften ran, man ging nach L.A., dann kam Dave Sardy (Jet, NIN, Bush, Supergrass) als neuer Produzent, alles von vorne. Noel war ausgebrannt, das Alter, die Tochter, die immer schlimmer werdenden Kater. Man fand das vorläufige Ende von Oasis' Ruhm fast schon besiegelt.

"Don't Believe The Truth" hat keinen Knaller, kein Wonderwall wie so mancher immer hofft, die Songs sind kleine Reminiszenzen an vergangene Bands: wie immer Beatles, Stones und the Who, nun auch Dylan, Velvet Underground, Kinks und so manch anderer, der sich Noel nach seiner Umorientierung von weiß auf grün nun wohl zugehöriger fühlt als noch vor 5 oder 10 Jahren.
"Let There Be Love", die nächste Single Auskoppelung, stammt noch von den 1997er Be Here Now Sessions, reiht sich bestens in Noels Meisterwerk-Sammlung ein und produziert Gänsehaut wie Supersonic noch Hühnerbrust. Mit "Keep The Dream Alive" (von Andy Bell) einer der besseren Songs. "The Meaning Of Soul" (stolze 103 Sekunden) und "A Bell Will Ring", die Teaser Songs auf dem letzt jährigen Glastonbury, enttäuschten Fans und Presse gleichermaßen. Oasis haben es sich zu Herzen genommen und Musik gemacht, die nicht mehr zum affektiertem Herum-Stolzieren durch langweilige Vorstädte animiert, sondern Sphäre schafft, mit Glanz und großen Gefühlen.

"Part of the Queue" borgt sich zwar schamlos Stranglers' Golden Brown, "Mucky Fingers" ist Velvet Underground pur, aber es war einfach an der Zeit sich neu zu entdecken. Liam schreibt seit einigen Jahren Songs, deren Texte Oasis-typisch nichts- und allessagend zugleich sind: "Guess God Thinks I'm Abel" ist so ein Track. Bleibt nur zu hoffen, dass Liam nicht auch seinen Bruder aus Neid erschlägt. Es scheint aber als sei "Live Forever" die musikalische Manifestation der gallagherischen Lebens- und Schaffensideologie zu sein. Es geht immer weiter, kein Grund also sich immer nur auf Vergangenes zu beschränken. "I'm a different breed, I'm outta your league, I'm 10 out of 10, alright?!"

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Autor: Manuel Kalb

Quelle: triggerfish.de