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(What's the story) Morning Glory? (rollingstone.de)
Ein kleiner Schritt nur für die Menschheit, aber ein Riesensatz für Oasis. ,,Morning Glory klingt, als hätten sie mal eben so das zweite und dritte Album übersprungen: kein ,,Oasis For Sale, sondern gleich ,,Revolver, gleich ,,Between The Buttons. Sicher, die Entwicklungsarbeit haben die Idole geleistet vor langer, langer Zeit. Die Nachgeborenen engen ein und grenzen aus. Auch bei Oasis überwiegen die Deja-vu-Momente, doch haben ihre Derivate die Unmittelbarkeit von Originalen, und noch ihre frechsten Zitate verzaubern. Das gilt selbst für ostentativ stupide Bezüge wie die augenzwinkernden Fingerzeige auf Gary-Glitter-Glampop am Ende von ,,Hello, dem ziemlich brachialen Album-Opener. Und es gilt nicht minder für das gebremst psychedelische ,,Wonderwall, ein Lovesong eigentlich, ein Lied auch vom Verlust. Ungeheuer simpel und simply beautiful. Oder auch das altertümliche Mellotron auf ,,Cast No Shadow, das den Moody Blues zur Ehre gereicht hätte. Oasis in search of the lost chord. Köstlich. Es sind chronische Apercus wie diese, die ,,Morning Glory zu weit mehr machen als nur zu einem gelungenen Pop-Album. ,,Hey Jude stand Pate für ,,Don’t Look Back In Anger, ,,Hey Now ist Crazy Horse-Feedback, und das epische ,,Champagne Supernova mit Paul Weller an der Lead-Gitarre stellt selbst ,,Stairway To Heaven in den Schatten, wohl weil anstelle des todernsten Led Zep-Pomps auch noch kurz vor dem Overkill die Oasis-Attitüde durchscheint, die sagt: Wir sind gescheiter, wir sind die Besten, wir machen, was wir wollen. Egomanie? Ja. Größenwahn? Nein, nicht solange sie den Beweis nicht schuldig bleiben. Ihren unaufhaltsamen Aufstieg verdanken Oasis aber keineswegs ihrem Bravado, nicht irgendeinem Hype und auch nicht ihrer Fähigkeit zur Selbstironie, sondern im wesentlichen den Songs von Noel Gallagher. Sie sind nicht alle gleich gut, aber die besten, von ,,Slide Away bis ,,Some Might Say, sind songtechnisch nicht mehr zu verbessern. Trotz allen Epigonentums mancher Arrangements haben sie einen absolut eigenständigen Charakter, eine Reife, die sich letztlich gegen jede Art von Lärm durchsetzt. Und der kleine Bruder, Stinkstiefel Liam, hat eine Menge gelernt. Seine Vocals sind straighter, stärker. Der Oasis-Frontmann zerdehnt die Vokale nicht mehr wie einst Johnny Rotten, sondern ist im Begriff, seinen eigenen Stil zu definieren. Oasis sind zu Recht stolz auf ,,Morning Glory. Turn up the volume and roll with it.
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Autor: Wolfgang Doebeling
Quelle: rollingstone.de
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