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Don't believe the truth (sonybmg.de)
Oasis waren immer dann am besten, wenn ihnen eigentlich alles egal war.
Dann schrieb Noel indifferente Songs über Nichtigkeiten, die zu Klassikern wurden und Liam performte mit einer blasierten Leidenschaft, die zu übertreffen bis heute kaum einem Rock'n'Roll-Sänger gelungen ist.
Heute ist es so: Noel schreibt Lieder darüber wie es sich anfühlt, verhältnismäßig lange für einen halben Liter Milch anzustehen und Liam dient als Inspiration für solche wunderlichen Geschichten.
Es ist ein Jahrzehnt her, seit Oasis ein Album gemacht haben, das die Musikwelt nachhaltig verändert hat. Seit zehn Jahren haben sie keine Platte mehr veröffentlicht, die einem Lust macht, mit stolz geschwellter Brust durch die eigene langweilige Vortortsiedlung zu stolzieren.
"Don't Believe The Truth" ist wieder so ein Album. Das sind die Oasis, die dich umhauen.
Es geht nicht um einen bestimmten Song. Darum ging es noch nie. Es geht um die gute, ehrliche Sache, die man vorübergehend unter dem Einfluss des Dauerfeuers der britischen Regenbogenpresse und haufenweise Kohle aus den Augen verloren hat.
Zum erstenmal in ihrer Geschichte funktionieren Oasis wirklich als Band. Noel spürt nicht mehr ganz alleine das Gewicht der Welt auf seinen Schultern und Liam schreibt Songs mit der rührenden Hingabe eines Kleinkindes, das eben laufen gelernt hat. Gem bildet das Fundament für die neuen Oasis, während Andy Bell im Hintergrund wirkt und Liam Filme mit dem englischen Kultstar David Essex zeigt. Sie nennen ihn Wing Commander Bell, zu deutsch Oberstleutnant.
Sie sind vier Individuen, die für eine halbe Ewigkeit zusammen im Studio gekämpft und gelacht haben, bis sie ein Licht am Ende des Tunnels sahen. Jetzt, wo sie angekommen sind, überstrahlt dieses Helligkeit alles. Wenn sie sich jetzt die Platte anhören, herrscht mitunter Verwirrung. Sie sind nicht sicher, wer was wann gespielt hat. Alles was sie wissen ist, dass Zak Starkey am Schlagzeug saß, obwohl es auch Gerüchte gibt, dass Liam, zwei Löffel und eine Packung "Cheerios"-Frühstücks-Cerealien eine entscheidende Rolle spielten.
"Don't Believe The Truth" umfasst elf Tracks, von denen Noel fünf geschrieben hat. Dazu gehört "Let There Be Love", ein ganz großer Moment in der Geschichte von Oasis. Ein Song, der auf gut gemeinte Überproduktion verzichtet und mehr seufzt als schreit: "Who kicked a hole in the sky so the heavens could cry over me?". Er wird euch das Herz brechen.
"Mucky Fingers" - das ganz anders klingt, als alles, was Noel je zuvor geschrieben hat - ist sein Velvet-Underground-Trip, angetrieben von Jack Daniels und einer alten, abgenudelten Orgel, die er dem Vernehmen nach auf Ebay ersteigert hat.
Dann ist da "Lyla", ganz offensichtlich Sallys Schwester im Geiste und "The Importance Of Being Idle", ein Song, der so schlicht, simpel und ganz einfach Oasis ist, dass er eine B-Seite von 1994 sein könnte. So gut ist er.
Wenn man "Part Of The Queue" hört, wird man erkennen, dass Noel Gallagher, der Songwriter, zu seiner alten Form zurück gefunden hat. Er befasst sich mit den kleinen Dingen und überlässt den Sinn des Lebens denen, die Zeit haben, sich in aller Ausführlichkeit damit zu beschäftigen.
Drei Stücke sind von Liam, der behauptet, er habe in den vergangenen Monaten über hundert zu Papier gebracht. Zu hören bekommen wir das ohrenbetäubende neunzig Sekunden lange "Meaning Of Soul", das fünfziger Jahre Rock'n'Roll-Salven auf den unbedarften Hörer abfeuert, während "Love Like A Bomb" eine sentimentale Träumerei ist, bei der er an "Julie fucking Christie" dachte. Für "Guess God Thinks I'm Abel" nahm Liam an, er habe eines abends eine Unterredung mit Gott in einem Pub gehabt und Gott ' told him he was Abel.' Gem ist sein Resonanzboden, den er zu jeder Tages- und Nachtzeit ins Studio schleppt, um mit ihm an Ideen zu arbeiten, die ihm quasi im Minutentakt zufliegen. Andy beschreibt Liam als "unerhört begabt. Er erfindet Akkorde. Für jeden Song auf dem Album hat er noch mal zehn, die genauso gut sind."
Der Openingtrack auf "Don't Believe The Truth" ist Andy Bells "Turn Up The Sun," mit einem Midnight-Cowboy-Intro, das zu einer furchteinflössenden Rock'n'Roll-Explosion mutiert. Und dann ist er auch noch mit "Keep The Dream Alive" vertreten, einem Song, der von einem Film namens "Stardust" mit David Essex inspiriert wurde. Noel schaut sich den nicht an. Die anderen können nicht aufhören, davon zu schwärmen.
Bleibt noch Gems "A Bell Will Ring" und wir hätten ein tolles, vielschichtiges, abwechslungsreiches Album.
Noel fällt zum neuen, harmonischen Gesamtkonzept von Oasis folgendes ein: "Wenn mir damals jemand gesagt hätte, in zwölf Jahren bist du in einer Band mit deinem Bruder und zwei karottenknabbernden Zauseln, die sich nicht mal für Fußball interessieren, hätte ich gesagt, verdammte Scheiße, ich steige doch nicht bei den Bee Gees ein."
"Don't Believe The Truth" ist das langerwartete neue Album von Oasis, einer Band die zusammenhält wie Pech und Schwefel. So, wie man es sonst nur vom A-Team kennt, wenn es einer mexikanischen Bande von Viehdieben auf den Fersen ist.
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Autor: Colin Murray
Quelle: sonybmg.de
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